Ursachen für Staatenlosigkeit

Widersprüchliche Gesetze

Die Regeln für die Verleihung der Staatsangehörigkeit sind nicht in jedem Land gleich. Einige Länder vergeben sie nach dem Prinzip des Geburtsortes – jus soli. Andere vergeben sie nach dem Abstammungsprinzip – jus sanguinis. So entstehen Rechtslücken, durch die weltweit unzählige Kinder hindurchfallen.

Staatsauflösung oder -nachfolge

Staaten lösen sich auf, werden neu gegründet, machen sich unabhängig und spalten sich auf. Die Regierungen definieren die nationale Identität neu – und schließen dabei oft Minderheiten aus. So werden mit einem Schlag tausende Menschen staatenlos.

Erbe des Kolonialismus

Die Kolonialmächte zogen willkürliche Grenzen und trennten Gemeinschaften gewaltsam. Als die Kolonien ihre Unabhängigkeit erlangten, mussten sie neu über ihre Identität entscheiden. Verschleppte und Vertriebene wurden dabei ausgegrenzt. Der Kolonialismus hat sie staatenlos gemacht.

Willkürliche oder politische Verweigerung der Staatsangehörigkeit

Manche Regierungen setzen den Entzug der Staatsbürgerschaft als Waffe ein. Mit willkürlichen Gesetzen schließen sie Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Religion oder Sprache aus der Gesellschaft aus. Oft ist das die Vorstufe für Verfolgung und Gewalt.

Administrative und strukturelle Hindernisse

Für die Verleihung der Staatsangehörigkeit verlangen Länder einen Identitätsnachweis. Das kann zum Beispiel die Geburtsurkunde oder der Nachweis des Wohnortes sein. Besonders ländliche oder nomadische Gemeinschaften haben diese Dokumente oft nicht – und werden staatenlos.

Vererbung der Staatenlosigkeit

Kinder staatenloser Eltern werden selbst staatenlos. Die Vererbung ist der häufigste Grund für Staatenlosigkeit weltweit. Die UN-Kinderrechtskonvention sollte das eigentlich verhindern. Sie verpflichtet alle Länder, Kindern die Staatsangehörigkeit zu verleihen, wurde aber vielerorts nicht in nationale Gesetze umgesetzt.

Diskriminierende Staatsangehörigkeitsgesetze

In 24 Ländern der Welt dürfen Mütter ihre Staatsangehörigkeit nicht an ihre Kinder weitergeben. Ist der Vater staatenlos, unbekannt oder abwesend, wird das Kind staatenlos. Solche patriarchalen Rechtssysteme diskriminieren also nicht nur die Frauen, sondern auch ihre Kinder.

Menschenhandel

Wenn Menschen verschleppt werden, verlieren sie dabei oft ihre Ausweispapiere. Können sie danach ihre Staatenangehörigkeit und Identität nicht nachweisen, werden sie staatenlos. Auch die Staatenlosigkeit selbst kann Menschen zu Zielen von Menschenhändlern machen.